Blockgletscher können gemäss dem Grad ihrer Aktivität unterschieden werden:
- Aktive Blockgletscher zeichnen sich durch eine zusammenhängende Bewegung ihrer gesamten Oberfläche aus. Sie sind grundsätzlich mit Eis übersättigt und zeigen morphologische Merkmale der Bewegung wie eine steile Front. Die beobachteten Geschwindigkeiten an der Oberfläche liegen im Durchschnitt bei 0,1 bis mehreren Metern pro Jahr (Abb. 1 bis 3) (siehe Factsheets Permafrost 4.5). Einige aktive Blockgletscher können über mehrere Jahre hinweg eine sehr starke Beschleunigung ihrer Bewegungsgeschwindigkeiten erfahren, die als Destabilisierungsphase bezeichnet wird (siehe Factsheet Permafrost 4.6).
- Übergangsformen von Blockgletschern (inaktive Blockgletscher) zeichnen sich durch geringe Bewegungen (weniger als 10 cm pro Jahr) und eine Deformation aus, die nur einen Teil ihrer Oberfläche betreffen kann (Abb. 4 & 5). Es handelt sich dabei entweder um kalte Blockgletscher (selten in den Alpen) oder um Blockgletscher, die sich im Zuge einer Erwärmung in einem Degradationsprozess befinden.
- Fossile oder reliktische Blockgletscher sind grundsätzlich komplett frei von Permafrost. Die Oberflächenmorphologie weist aufgrund des geschmolzenen Eises Absenkungen auf und ist häufig von Thermokarstsenken geprägt. Die Fronten fossiler Blockgletscher sind oft weniger steil als die aktiver Blockgletscher und ihre Oberfläche ist in der Regel vollständig mit Vegetation (Grasland, Wald) bedeckt (Abb. 6 & 7).
Diese Klassifikation stellt den aktuellen Wissensstand über Blockgletscher auf der Grundlage ihrer Kinematik dar. Sie unterscheidet sich von der in den 1950er Jahren etablierten «klassischen» konzeptionellen Klassifizierung, bei der die Aktivität von Blockgletschern nach dem vermuteten Fließverhalten und, in Verbindung damit, nach dem Vorkommen von Eis unterschieden wurde. Hauptsächlich basierend auf der visuellen Beobachtung geomorphologischer Indikatoren (z. B. Neigungswinkel der Front) und der Vegetation, die sich aufgrund lithologischer und klimatischer Bedingungen lokal und regional unterscheiden, wurden Blockgletscher zumeist in die folgenden Kategorien unterschiedlicher Aktivität eingeteilt: aktive, inaktive und fossile Blockgletscher (Abb. 8).
Abb. 2: Deformation von gefrorenen Sedimenten
Abb. 2: Deformation von gefrorenen Sedimenten (Wulst L2b, «Stauchmoräne») unterhalb der Front L2 als Folge des Vorstosses des aktiven Becs-de-Bosson Blockgletschers (Vallon de Réchy, VS).
Abb. 3: Vorstossener Blockgletscher
Abb. 3: Wie ein «Bulldozer» hat der vorstossende Gemmi Blockgletscher (VS) den ungefrorenen Boden des alpinen Graslandes unterhalb seiner Front (links vom Geographen im Bild) überdeckt und verformt. Eine Zeitraffer-Animation ist auf der Website der UNIFR-Forschungsgruppe für alpine Geomorphologie abrufbar.
Abb. 4: Übergangsform eines Blockgletschers
Abb. 4: Übergangsform eines Blockgletschers (früher als inaktiv eingestuft) bei Les Savolaires, Alpage de Mille (Val de Bagnes, VS).
Abb. 5: Übergangsform eins Blockgletschers im Tessin
Abb. 5: Übergangsform eins Blockgletschers (früher als inaktiv eingestuft) auf der Alpe Pièi (Val Blenio, TI).
Abb. 6: Vollständig bewachsener fossiler Blockgletscher
Abb. 6: Fossiler Blockgletscher (vollständig bewachsen) auf der Alpage de l’A Vieille am Nordwesthang des Sasseneire (Val d’Hérens, VS).
Abb. 7: Fossiler Blockgletscher mit Dolinen
Abb. 7: Fossiler Blockgletscher (vollständig bewachsen und aufgrund des kalkhaltigen Gesteins mit kleinen Dolinen durchsetzt) auf dem Horlini (Bachalp, Wallis).
Abb. 8: Schematische Profile von aktiven, inaktiven und fossilen Blockgletschern
Abb. 8: Schematische Profile von aktiven, inaktiven und fossilen Blockgletschern sowie morphologische Merkmale zur Abschätzung der Aktivität von Blockgletschern (angepasst nach Ikeda & Matsuoka, 2002 und Scapozza, 2013).