5.4. Entwicklung des Temperaturregimes und Auftreten von sporadischem Permafrost

Die langfristige Entwicklung des Temperaturregimes in belüfteten, unterkühlten Schutthalden wird im Wesentlichen von der Aussenlufttemperatur während des Winters bestimmt. Unter bestimmten Bedingungen kann sich im Inneren der Schutthalde sporadisch temperierter Permafrost bilden.

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Durch wiederholte Temperaturmessungen nahe der Bodenoberfläche, welche auf verschiedenen unterkühlten Schutthalden durchgeführt wurden – die längste Messreihe am Creux-du-Van begann 1997, konnte einerseits aufgezeigt werden, dass das thermische Regime zwischen den verschiedenen untersuchten Standorten sehr ähnlich ist, und andererseits, dass der entscheidende Faktor für die Entwicklung dieser Standorte die Aussenlufttemperatur während des Winters ist. Längere und sehr intensive Kälteperioden im Winter begünstigen die Bildung von Frost bis tief ins Innere der Schutthalde, wie wiederhohlte Untersuchungen mit elektrischer Widerstandstomographie am Standort Dreveneuse d’en Bas gezeigt haben (siehe Factsheet Permafrost 5.2). Umgekehrt tragen die Aussenlufttemperaturen im Sommer sowie die Höhe der Schneedecke nur sehr wenig zur Entwicklung des Temperaturregimes von belüfteten, unterkühlten Schutthalden bei, im Gegensatz zu den grobblockigen Sedimentformationen in grosser Höhe (siehe Factsheet Permafrost 1.3). So wurde beispielsweise in den unteren Bereichen der unterkühlten Schutthalden in der Westschweiz nach dem Hitzesommer 2003 keine signifikante Erwärmung des Untergrunds beobachtet (Abb. 1). Im Gegensatz dazu erwärmten sich die mittleren jährlichen Bodentemperaturen in den unteren Bereichen der unterkühlten Schutthalden nach dem milden Winter 2006/2007 um mehr als 1°C (Abb. 1).

Am Fuss der Schutthalde von Dreveneuse d’en Bas (Abb. 2) konnte in den Jahren 2004-2006 das Auftreten von geringmächtigem, temperiertem Permafrost (0°C) durch Bohrlochmessungen nachgewiesen werden. Ab 2007 taute dieser auf und bildete sich schliesslich ab 2010 infolge der sehr kalten Winter 2009-2010 erneut (Abb. 3). Seit 2013 ist in den Bohrlöchern dieser Schutthalde nur noch saisonaler Frost zu beobachten. Die Dynamik des gefrorenen Bodens in der Schutthalde von Dreveneuse d’en Bas unterscheidet sich somit stark vom Hochgebirgspermafrost. Er kann als «kurzfristiger azonaler Permafrost» (auf Russisch auch «pereletok» genannt) betrachtet werden, dessen Geometrie sich in Abhängigkeit der Aussenlufttemperaturen im Winter von Jahr zu Jahr stark zu verändern scheint.